Und wenn Kaffee Kunst wäre?

Einleitung

Die Frage mag seltsam erscheinen: Kann ein Lebensmittel Synonym für Ästhetik sein? Kaffee nimmt Formen von Kunst an und kann sich als vollwertige Kunst erweisen und infolgedessen verführt er die Künstler.

Früher inspirierte Kaffee die Architekten, die ihm Orte des Genusses gewidmet haben und er fand sich im Mittelpunkt der Werke einiger Maler wieder. Heute erweckt er den Geruchssinn, indem er Düfte komponiert.

Kaffee und Architektur

In Frankreich, dem Land der Gastronomie, gab es früher vor allem Landgasthäuser und Straßenküchen, damit Reisende sich stärken konnten, also sehr laute und unruhige Orte, die minderwertige Gerichte servierten. 1674 eröffnet in Paris das „Procope“, das erste Café der Hauptstadt. Es wird sogleich ein Erfolg, da man dort in einem raffinierten Rahmen sowohl Kaffee und andere exotische Getränke, als auch Kuchen und Sorbets genießen kann. Bald schon blühen die Cafés von Sankt Petersburg über Wien bis nach London, denn sie sind Orte des Zeitgeists, zumindest des Geistes der Aufklärung. Das raffinierte Dekor (intime Alkoven, schwere Vorhänge) und seine berühmten Gäste haben zahlreiche Cafés auf den Rang des historischen Monuments erhoben: Café Zentral in Wien, Café Florian in Venedig, Café le Greco in Rom…

Kaffee und Malerei

Nach den „Turquerien“ des XVII. Jh., wo Gemälde die französischen Aristokraten in orientalischer oder türkischer Kleidung mit einer Mokkatasse in der Hand zeigten, stellte man im folgenden Jahrtausend den Kaffeegenuss in Stillleben mit Tassen oder Kannen dar. Später dann, im XIX. Jh., symbolisiert Kaffee den bürgerlichen Komfort oder die Intimität des Familienlebens, wie zum Beispiel „Die Frau mit der Kaffeekanne“ von Cezanne oder das „Frühstück im Atelier“ von Manet. Unter den Pinseln von Douanier Rousseau („Nature morte“), Braque (Serie der „Gueridons“), spielen Stillleben im XX. Jh., in denen eine Kaffeekanne thront, wieder eine große Rolle. Heutzutage ersetzen manche zeitgenössische Künstler sogar Ölfarben und Gouache durch Kaffee um ihre Werke zu realisieren.

Kaffee und Parfüm

Kaffee ist dafür bekannt alle Sinne zu erwecken, sein Duft läßt uns an ein Päckchen frisch gemahlener Bohnen oder eine dampfende Tasse denken. Kaffee verführt dank seiner Vielfalt an Aromen, die zahlreiche Geruchsfacetten entwickelt, aber auch die Nasen der Parfümeure. Zu Beginn nutzten die Parfümeure den Kaffee für weibliche Düfte, mit einer warmen, sinnlichen, verzaubernden Note von süßem Mokka, wie zum Beispiel „l’Or de Torrente“. Die Vielfalt des Kaffees ermöglichte es aber auch eine weitere Facette zu entwickeln, schmelzend, herb und frisch, für männliche Eau de Toilettes. Der Verkaufsschlager der männlichen Düfte ist „Amen“ von Thierry Mugler, der eine sehr lebhafte Kaffeenote mit einer holzigen Note verbindet.

Kaffee und Musik

Auch Musiker wurden von den zahlreichen Facetten des Kaffees inspiriert. Johann Sebastian Bach komponierte die Kantate 211, genannt „Kaffee-Kantate“, inspiriert durch einen Text des deutschen Dichters „Picander“ (mit wahrem Namen Christian Friedrich Henrici) über die „Unsitte des Kaffeetrinkens“ die ganz Europa ergriffen hat. Serge Gainsbourg huldigt ihm mit seinem berühmten Lied „Couleur Café“. Aktueller ist das Lied „le café“, das der Chansonnier Oldelaf den anregenden Eigenschaften des Gebräus gewidmet hat und eine französische Reggae/Jazz Gruppe hat sich den Namen „Le Temps d'un café“ (die Zeit eines Kaffees) gegeben, zu Ehren einer angenehmen, beim Kaffeetrinken verbrachten, Zeit.