Kaffee literarisch

Einleitung

Madame de Sévigné dachte, dass Racine und Kaffee vorübergehen würden. Sie irrte sich: Viele Jahre später muss man feststellen, dass sowohl der Dramaturg als auch der kleine Schwarze nicht aus der Mode kommen.

Ob es sich nun um das Getränk Kaffee oder den Ort Café handelt, viele Literaten sind ebenso wie Normalsterbliche Kaffeeliebhaber. Einige lieben ihn heiß, andere geeist. Einfache Routine, Energiequelle oder Inspiration, mehr oder weniger maßvoll alleine oder in Gesellschaft zu genießen, Kaffee ist ein Vergnügen das Schriftsteller auf ihre ganz eigene Art genießen.

Literaten und Verkostung

Kaffee ist zunächst ein Geruch, ein Aroma, an dem sich einige Schriftsteller auf ihre eigene Art erfreuen. Alexandre Dumas stellte sein Rezept für Eiskaffee in seinem großen Wörterbuch der Küche dar: einen starken Aufguss aus Mokka oder Bourbonkaffee, ordentlich gezuckert und mit einem Drittel cremigen Schaums, in einem mit Eiswürfeln gefüllten Becher serviert.

Colette ihrerseits lobte in „Chéri“ die Vorzüge eines delikaten Frühstücks mit Milchkaffee, ein Rezept das ihre Concierge ihr verraten hatte, um einen Tag gut anzufangen.

Literaten und Anregung

Kaffee ist auch ein anregendes Gebräu und auch wenn die Ärzte vor seiner Wirkung warnen, so wird sie doch von einigen Schriftstellern wie zum Beispiel Balzac in seiner „Abhandlung über Moderne Erregungsmittel“ (Traité des excitants modernes) gelobt: „Kaffee bringt das Blut in Wallung, lässt die antreibenden Geister entweichen“. dagegen hat Zigaretten durch eine „leidenschaftliche Beziehung mit Koffein“ ersetzt und trinkt 6 Tassen Kaffee am Tag!

Das Café, sozialer Ort…

Manche Schriftsteller sind leidenschaftliche Anhänger der Orte, an denen man Kaffee serviert, sei es um philosophische, künstlerische oder literarische Ideen auszutauschen oder um Inspiration zu finden.
Zur großen Zeit von Saint-Germain-des-Prés öffneten die Bistros ihre Türen für Debatten, geleitet durch berühmte Kunden wie Boris Vian, Albert Camus, Jean-Paul Sartre, Raymond Queneau und Jacques Prévert.

Der Zeitgenosse Frédéric Beigbeder versichert theatralisch: „Ich würde im Flore sterben“. Übrigens hat dieser Pariser Dandy, Autor zahlreicher erfolgreicher Romane wie „99 Francs“, Verleger, Literaturkritiker und TV-Chronist 1994 den „Prix Flore“ gegründet, mit dem jedes Jahr vielversprechende junge Literaturtalente ausgezeichnet werden.

…Ort der Inspiration…

Für Harlan Coben ist das Arbeiten im Café ein Ritual. Der amerikanische Autor erfolgreicher Kriminalromane begibt sich jeden Morgen, nachdem er seine Kinder zur Schule gebracht hat, ins Starbucks-Café seines Viertels und findet dort das Wesen seiner Charaktere. Desgleichen schreibt die Engländerin , der wir die weltweit bekannten Abenteuer von Harry Potter verdanken, in den Cafés von Edinburgh.

…und Informationsort

Der Besuch von Bistros kann auch lehrreich sein, wie uns die „Brèves de Comptoir“ (Kurzgeschichten von der Theke) von Jean-Marie Gourio beweisen. Das Werk trägt oft amüsante Zitate zusammen, die der Autor in Bars gehört hat, wie zum Beispiel: „Was trinken die Austern in Austernbars? Wäre ich Forscher, so wüsste ich nicht, was ich erforschen sollte“.

Der Österreicher Stéphane Zweig, Autor der „Verwirrung der Gefühle“ (La confusion des sentiments) hatte in Wien seine Gewohnheiten und schrieb übrigens: „ Das Café ist der geeignetste Ort, um zu erfahren, was es Neues gibt“.

Zukunft und Literaturcafé

Lesen und Cafés sind zwei eng verbundene Freuden. Zwischen Kaffee und Literatur werden also sicherlich weiterhin enge Beziehungen bestehen. Das beweist auch die Entstehung von Cafés in großen Buchhandlungen wie Virgin, FNAC oder das kürzlich entstandene Konzept des Ladens Merci, indem eine Kaffee- und Bücherecke integriert ist. Mit Fernsehsendungen wie „Café littéraire“ (Literaturcafé) oder „Café Picouly“, wo der Schriftsteller und Moderator Daniel Picouly Schriftsteller in einem Café empfängt, lebt das Konzept des Literaturcafés weiterhin fort.